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10.12.2007 - Die Venus wurde lange Zeit in der westlichen Raumfahrt ehr stiefmütterlich behandelt und Stand bei der Planetenerforschung immer hinter den Mars, wie denken sie darüber?
Sie haben recht. Aber dies gilt für die planetarische Forschung weltweit.
Als ein Beispiel, nach den sehr erfolgreichen sowjetischen Venera und dem US Pioneer Programmen in den 1970-80ern wechselten all die Bemühungen zum Mars und die Venus wurde für mehr als eine Dekade vergessen.
Der Grund war, dass die Raumfahrtagenturen glaubten, dass nach über 25 Missionen zur Venus dort nichts mehr Interessantes zu erforschen gäbe. Wie dem auch sei, dies war nicht die Meinung der wissenschaftlichen Gemeinschaft, welche immer davon überzeugt war, dass die Venus ein sehr attraktives Ziel mit einer großen Anzahl an fundamental ungelösten Problemen ist. Dies wird dadurch untermauert, dass in den USA bei jeder Runde bei den Erkundungsprogrammen auch immer eine oder mehrere Venus Missionen vorgeschlagen wurden.
Der andere Grund, warum die Venus immer im Schatten des Mars stand ist, dass die Bedingungen auf dem Mars erdähnlicher sind und der Mars auch immer als potenzielles Ziel für einen bemannten Flug galt und als ein möglicher Hafen für extraterrestrisches Leben betrachtet wurde.
Sie haben bei zahlreichen sowjetischen Venusmissionen mitgearbeitet und vor allem auch bei dem sehr erfolgreichen Venera Landern, wie war das damals, als die ersten Bilder von der Oberfläche der Venus sie erreichten?
Ja, Ende der 70er und 80er als ich als ich zum Space Research Institute in Moskau als Doktorrand kam waren faszinierende Jahre für das sowjetische Venera Programm.
Die Sowjetunion startete 2 Sonden bei fast jedem ballistischen Fenster (etwa alle 17 Monate) mit fortschreitender Komplexität der Nutzlast.
Die ersten Temperaturmessungen, die ersten Spektren, die ersten Panoramaaufnahmen jeder Schritt brachte uns große Überraschungen. Dies war gewiss die Ära der Entdeckungen.
Die Venus gilt zwar als Schwesterplanet der Erde, doch unterscheiden sich beide Planeten heute extrem voneinander, wie erklären sie sich das? Halten sie es für möglich, dass es auf der Venus einmal erdähnliche Bedingungen mit flüssigem Wasser gab? Beim Planeten Mars sind sich die meisten Wissenschaftler heute sicher, dass dies in einer kurzen Periode der Fall war?
In bedeutenden Parametern (wie der Distanz zur Sonne, dem inneren Aufbau) Erde und Venus können als Zwillinge betrachtet werden. Sie starteten unter relativ ähnlichen Bedingungen doch ihre Evolutionswege drifteten schon bald auseinander. Wissenschaftler bezeichnen diese Situation als „twins separated at birth“. Der Hauptwendepunkt war wohl, dass die Venus nicht ihr flüssiges Wasser auf ihrer Oberfläche behalten konnte durch einen „runaway greenhouse“ genannten Prozess, währen die Erde dies schaffte. Die Ozeane der Erde spielten eine bedeutende Rolle bei der Absorbierung des CO2 aus der Atmosphäre und schlossen es in Sedimentgestein ein, was den natürlichen Treibhauseffekt enorm reduzierte (welcher auf der Venus hauptsächlich durch die CO2 Atmosphäre verursacht ist). Wir können sagen, dass wir auf der Erde unsere Häuser aus dem bauen, woraus die Atmosphäre der Venus besteht.
Wahrscheinlich hatte die Venus einst moderate Bedingungen und flüssiges Wasser auf ihrer Oberfläche, aber dies war nicht für lange Zeit vorhanden.
Wenn man Erde und Venus gegenüberstellt, wirft dies eine sehr interessante Frage auf: wo liegt die lebensfreundliche Zone in unserem Sonnensystem?
Eines der Probleme auf der Venus ist, das die Oberfläche sehr jung ist: etwa 700 Millionen Jahre zuvor gab es globale vulkanische Katastrophen, die die gesamte Oberfläche mit Lava bedeckten. So dass wir keine Aufzeichnungen (wie zum Beispiel Flussbetten auf dem Mars) haben um uns ein Urteil über das frühere Klima auf der Venus machen können. Die Aufzeichnungen liegen unter einer kilometerdicken Lavaschicht begraben.
Im Jahr 2002 veröffentlichten Forscher der Universität Texas die spekulative Theorie, das es in der Atmosphäre der Venus Mikroben geben könnte (Link1 / Link2), was halten Sie davon?
Ich habe mir die Internetseiten angeschaut. Es gibt zahlreiche Spekulationen betreffend Leben auf der Venus, falls es jemals existiert hat, könnte es eine relativ komfortable Nische in den Wolken gefunden haben (obwohl die Temperaturen und der Druck moderat sind, die chemische Umwelt ist sehr lebensfeindlich, die Wolken bestehen zu 75% aus Schwefelsäure). Nun, es ist eine interessante Möglichkeit aber meine Meinung dazu ist, dass es in die Sektion mit der Aufschrift „Warum nicht“ gehört.
Das Fazit nach Abschluss der Primärmission bei der Venus Express Mission ist durchweg positiv, hätten sie gedacht, dass die Mission so erfolgreich wird? Was kommt nach Venus Express? Wird es eine vergleichbare europäische Mission geben oder stehen andere Projekte im Vordergrund? Wird es in absehbarer Zeit vielleicht einen Venus Rover geben?
Alle beteiligten bei Venus Express sind sehr glücklich diesen fantastischen Datenreichtum zu sammeln. Raumfahrtmissionen sind immer ein riskantes Abenteuer. Ich denke Europa, ein Anfänger in diesem Geschäft, schlägt sich tapfer und hat erfolgreiche Mars und Venus Missionen. (Zum Vergleich, wie viele Missionen sind zu Beginn des Raumfahrtzeitalters bei den Sowjets und Amerikanern verloren gegangen!). Bei Venus Express funktioniert alles wie geplant. Man kann es Glück nennen, aber es erforderte eher viele Tage harter und begeisternder Arbeit von hunderten von Menschen bei der ESA, Astrium und den Forschungsinstituten die am Bau der Sonde und der Nutzlast beteiligt waren. Unglücklicherweise gibt es aber einen Wermutstropfen. Ein Experiment, das Planetary Foruier Spectrometer kann sein Fenster nicht öffnen und den Planeten sehen. Das Instrument arbeitet perfekt, aber sieht nur seine internen Kalibrationslampen. Wir haben versucht, diese wissenschaftlichen Missionsziele durch die anderen Instrumente zu erreichen.
Wir warten auf die Ankunft des japanischen Venus Climate Orbiter (oder Planet-C) Ende 2010. Diese Mission hat 5 Kameras an Bord und das Raumfahrzeug wird in einem äquatorialen Orbit einschwenken, zusammen mit VEX (welche sich in einem polaren Orbit befindet) sind exzellente Beobachtungen der dynamischen Atmosphäre möglich.
VESPER ein Erkundungsvorschlag eines Venusorbiters mit mächtiger Mikrowellenausrüstung wartet auf die Freigabe der NASA. Wir erwarten eine Entscheidung bis zum Ende des Jahres.
Diese drei Missionen (VEX, Planet-C und VESPER) sind entfernt sensitive Missionen, deren Ergebnisse in Grenzen liegen. Ihnen sollten weitere Untersuchungen folgen. Rover und langlebige Lander sind aber erst in ferner Zukunft möglich, da wir noch keine Elektronik haben, die bei solchen Temperaturen arbeitet. Aber Ballone könnten in den Wolken fliegen und kurzlebige Lander (wie Venera) sind schon heute verfügbar. Es gibt gut entwickelte technologische Vorschläge von der wissenschaftlichen Gemeinschaft in Europa, USA und Russland. Jetzt liegt es an den Raumfahrtagenturen, diese auch zu implementieren.
Die USA kehren bemannt zum Mond zurück und u.a. auch die Chinesen haben große Pläne, wo sehen sie die Raumfahrt in den nächsten 50 Jahren?
Die kommenden Dekaden werden neue Missionen und Ergebnisse bringen in der Erforschung der äußeren Planeten, ihrer Satelliten und kleinen Körper (wie Asteroiden und Kometen). Venus und Mars werden intensiver studiert werden. Mehr ausgeklügelte langlebige mobile Laboratorien werden zum Mars und zur Venus gesandt werden und wir werden sie mit Ballonen und Abstiegssonden erforschen. Neue Entdeckungen und detaillierte Studien von extrasolaren Planeten erwarte ich ebenso. Die Erforschungsfelder werden hauptsächlich durch politische Argumente vorangetrieben. Es scheint, dass wir nun am Vorabend der zweiten Runde im Wettrennen sind. Das erste war in den 60ern wo zwei Raumfahrtnationen um die erste Schritte auf dem Mond konkurrierten. Wahrscheinlich werden in der nahen Zukunft die jungen Raumfahrtnationen (wie China) einen bemannten Flug zum Mond nationale Priorität geben. Ihre Motivation ist klar. Auf der anderen Seite erscheinen mir die Argumente der USA zum Mond zurückzukehren ehr zweifelhaft.
Vielen dank für das Interview.
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