Interview mit Bernard Foeing von der ESA

13.02.2008 - Wir hatten die Gelegenheit mit Bernard Foing, Projektverantwortlicher bei der Smart-1 Mission, von der ESA ein Interview zu führen:

1.) Was denken Sie über die wissenschaftlichen Ergebnisse der Smart-1 Mission?

Wir sind mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Wir haben die polaren Mondregionen erforscht, mineralogische Fingerabdrücke gesammelt und zum ersten Mal den Mond mit einem fortschrittlichen Infrarot Spektrometer vermessen.

2.) Hat ihnen die Arbeit am Projekt gefallen und würden Sie es noch einmal tun ?

Es war eine großartige Herausforderung und ich war von Beginn an, schon während der Konzeptphase, dabei. Wir hatten einen guten Geist und eine gute Stimmung im Team und arbeiteten mit verschiedenen Instituten und der Industrie zusammen. Wir haben in den drei Jahren Entwicklungszeit viel erreicht und standen dabei immer unter Druck die Kosten gering zu halten. Leider wurde während der Zeit aber das Familienleben beeinträchtigt, doch würde ich es jederzeit wieder tun.

3.) Würden Sie sich eine bessere Unterstützung aus der europäischen Politik und den hiesigen Medien wünschen?

Ja, denn auch wenn viel über unsere Missionen zum Mond, zur Venus und zum Mars berichtet wird, wird dabei doch nicht immer der gesellschaftliche Nutzen der Raumfahrt richtig herausgestellt. Erst durch unsere Arbeit sind moderne Navigations- und Kommunikationssysteme möglich. Unsere positiven Erfahrungen und die gewonnenen Erkenntnisse könnten die Jugend und die Öffentlichkeit inspirieren.

4.) Im Jahr 2004 berichtete das New Scientist Magazin von Triebwerksproblemen bei der Smart-1 Mission ? Gab es diese wirklich und wenn ja, wie wurden diese gelöst?

Wie immer bei neuartigen Technologien lief nicht alles von Anfang an perfekt. Sondern wir mussten durch die gesammelten Erfahrungen lernen und dazu gehörten auch die gelegentlichen Triebwerksaussetzer. Aber durch neue Softwarekommandos haben wir die Sache schnell in den Griff bekommen.

5.) Wie ist Ihre Meinung zu der zukünftigen Erforschung des Mondes?  Glauben Sie, dass eine bemannte Mondstation eine gute Idee ist?

Überall auf der Welt gibt es ein Interesse am Mond. Momentan haben sowohl eine chinesische als auch eine japanische Sonde dieses Ziel und schon bald wird auch die indische Sonde Chandrayaan-1, welche 3 Instrumente der ESA an Bord hat, zum Mond aufbrechen. Und mit Sicherheit werden noch viele weitere Sonden auch mit Landern zum Mond aufbrechen und diesen robotisch erforschen.

Aber auch wir können auf dem Mond lernen zu überleben und uns so weiter ins All hinauswagen.

6.) Was sind die nächsten Ziele der ESA?

Die ESA hat eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Missionen zur weiteren Erforschung des Universums. Neben einem besseren Verständnis der Erde werden wir auch nach weiteren extrasolaren Planeten suchen und den Mars und den Mond weiter erforschen.

Insbesondere die Herschel Mission, wo wir sich gerade bildende Sonnensysteme erforschen und die Planck Mission, die das erste Licht nach dem Urknall eingefangen wird, sind besonders erwähnenswert.

Ferner ist gerade das europäische Columbus Modul zur ISS starten und zwei unserer Astronauten sind an der Mission beteiligt.

7.) Glauben Sie das Russland in absehbarer Zeit Vollmitglied der ESA wird?

Wir arbeiten schon heute auf vielen verschiedenen Gebieten mit Russland zusammen. Wir starten zum Beispiel Raumfahrzeuge aus Plesetsk und Baikonur und Russland will zukünftig auch Kourou als Startplatz für die Soyuz Rakete benutzen. Doch gibt es auch unterschiedliche Interessen, weshalb unserer Hauptpartner außerhalb der ESA Mitgliedsstaaten die USA sind. Aber wir haben auch gemeinsame Projekte mit Japan, Indien und China.

Vielen dank für das Interview.

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