Arktische Eisfläche so gering wie noch nie

16.09.2007 - Die Eisfläche in der arktischen See ist auf ihren geringsten Wert seit dem Beginn der Satellitenaufzeichnung vor 29 Jahren geschrumpft. Zwar beunruhigt viele Experten diese Entwicklung, da dieses Ereignis viel schneller kommt als erwartet und für die dort ansässigen Säugetiere katastrophale Folgen haben könnte, doch ist durch diese Entwicklung auch die legendäre Nordwestpassage befahrbar.

Die europäische Raumfahrtbehörde ESA veröffentlichte ein Bildmosaik aus 200 einzelnen Aufnahmen des Advanced Synthetic Aperture Radar (ASAR) an Bord des europäischen Satelliten Envisat.

„Wir sehen, dass die eisbedeckte Fläche auf 3 Millionen Quadratkilometer zurückgegangen ist, was noch einmal 1 Millionen Quadratkilometer weniger ist als das vorherige Minimum aus den Jahren 2005 und 2006. Es hat eine Reduktion der Eisflächen von  durchschnittlich 100.000 Quadratkilometer pro Jahr während der letzten 10 Jahre gegeben, ein Rückgang von 1 Million Quadratkilometer in einem Jahr ist extrem“ sagt Leif Toudal Pedersen vom Danish National Space Centre.

„Der starke Rückgang in nur einem Jahr lässt bedenken aufsteigen, das das Eis (in diesem Sommer) viel schneller verschwindet als erwartet und das wir dringend ein besseres Verständnis der involvierten Prozesse benötigen.“

Eine UN-Klimastudie drohte mit einer eisfreien Arktis ab dem Jahr 2070, doch aufgrund der dramatischen Änderungen sehen sich Wissenschaftler bestätigt, die damit schon 2030-2040 rechnen.

Da Eisflächen auf See eine helle Oberfläche haben reflektieren sie große Teile der UV-Strahlung zurück in den Weltraum, doch wenn die UV-Strahlung der Sonne auf den dunklen, offenen Ozean trifft, wird diese stärker absorbiert (verschluckt) als reflektiert und der Ozean heizt sich auf. Dadurch tritt eine Spirale in Kraft, welches vorhandenes Eis abschmelzen lässt und die Bildung neuen Eises erschwert.

Dies wiederum hat katastrophale Folgen für die Säugetiere der Region, da Eisbären und Robben zum Beispiel keine Eisflächen mehr finden und oft im offenen Ozean ertrinken.

Wirtschaftlich und politisch gesehen hingegen wird diese Entwicklung von einigen Staaten sicherlich begrüßt, da in dieser Region auch viele Bodenschätze vorhanden sind und die Fahrzeiten zwischen Europa und Asien verkürzt werden. Ein russisches U-Boot das eine russische Flagge auf dem Grund des Polarmeer setzt [1], kanadische Kriegsschiffe, die nun in der Gegend patrouillieren und Spannungen zwischen Kanada und Dänemark (über eine kleine Insel) [2] sowie zwischen Kanada und den USA (um die Durchfahrtsrechte) zeigen  [3], das dies genau das ist, was die Welt gebraucht hat, noch ein Spannungsfeld.

[1] http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/30/0,3672,5581374,00.html

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Insel

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Nordwestpassage

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