Hinter dem Polarstern steckt mehr als das Auge sieht

11.01.2006 - Wir tendieren dazu zu denken, dass der Polarstern ein einzelner fester Stern am Himmel ist, der in den vergangenen Jahrhunderten den Seeleuten den Weg weißte. Aber hinter dem Polarstern steckt mehr als das Auge sieht, wie das Hubble Weltraumteleskop herausgefunden hat.

Der Polarstern oder auch als Nordstern oder Polaris bekannt ist in Wirklichkeit ein Dreifachsternsystem, wobei ein Begleiter relativ leicht zu erkennen ist, wohingegen der andere so dicht beim Zentralstern liegt, das er bisher nur schwer zu entdecken war.

Indem die Astronomen bis an die Grenzen des Hubble Weltraumteleskops gingen, gelang es ihnen, den dichten Begleiter zum ersten Mal zu fotografieren.  

„Der Stern, den wir beobachteten, ist so dicht an Polaris, das wir jedes einzelne Pixel von Hubble’s Auflösung benötigten um ihn sichtbar zu machen“ sagt Nancy Evans vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics. Der Begleiter ist gerade einmal zwei Zehntel einer Bogensekunde von Polaris entfernt und bei einer Entfernung von 430 Lichtjahren zur Erde bedeutet dies eine echte Herausforderung. Die Astronomen schätzen, dass beide Sterne nur etwa 3,2 Milliarden Kilometer auseinander liegen. In unserem Sonnensystem würde dies in etwa dem Aphel (größten Abstand zur Sonne) des Planeten Uranus entsprechen.

„Der Helligkeitsunterschied beider Sterne macht es noch schwerer sie zu unterscheiden“ sagt Howard Bond vom Space Telescope Science Institute (STScI). Polaris ist ein Supergigant, der 2000-mal heller scheint als unsere Sonne, während sein Begleiter ein „normaler“ Stern (main-sequence star) ist. „Mit Hubble haben wir den Begleiter des Nordsterns aus dem Schatten ins Rampenlicht geholt.“

Durch die Beobachtung der Bewegung des Begleitsterns fanden die Astronomen nicht nur seine ungefähre Umlaufbahn sondern auch seine Masse heraus, was in der heutigen Astronomie noch immer eine große Herausforderung ist. Zumal Polaris zu den veränderlichen Cepheiden gehört, anhand derer die Astronomen die Entfernungsbestimmungen durchführen.

„Das studieren eines Doppelsterns ist der beste Weg um die Masse eines Sterns zu messen“ so Bond. „Mit den besten Instrumenten wie das Hubble, können wir weiter ins Universum vordringen und so mehr lernen.“

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