Auch Geysire eine mögliche Quelle von Methanwolken

24.10.2005 - Lange und dünne Methanwolken in den mittleren Breitengraden des Saturnmondes könnten von Geysiren oder von Eisvulkanen auf dessen Oberfläche stammen. Andere Wissenschaftler halten die Wolken dagegen für einen einfachen atmosphärischen Effekt. Das Phänomen gibt weiter Rätsel auf.

Methan ist ein Bestandteil der Atmosphäre des größten Saturnmondes, der durch den Einfluss des ultravioletten Lichts der Sonne aufgelöst wird. Ohne eine ständige Quelle, also beispielsweise Geysire oder Vulkane, würde das Methan innerhalb von 10 Millionen Jahren aus der Atmosphäre verschwinden – eine relativ kurze Zeit verglichen mit dem Alter des Mondes, weshalb vermutet wird, dass es eine Quelle gibt. Bisher konnten Wissenschaftler die Quelle des Nachschubs nicht ausmachen.

Nun sagen Astronomen des California Institute of Technology, dass geologische Aktivität die Quelle sein könnte. Sie verwendeten das Gemini Observatorium auf Hawaii und fanden in 15 Nächten Methanwolken in mittleren Breitengraden.

Es war vorher bekannt, dass Titan dünne Methanwolken auf etwa 40 Grad südlicher Breite produziert. Die neuen Beobachtungen präzisierten die Funde und ergaben Konzentrationen auf dem Nullmeridian und außerdem auf 150 Grad westlicher Länge.

Konzentrationen von Methan, über bestimmten Gebieten, könnten auf aktive Quellen hinweisen.

Auftrieb Ein anderes Forscherteam verwendete Cassini um zu einer abweichenden Interpretation der Wolkenbildung zu gelangen. Während der Titan Vorbeiflüge konnte Cassini die Höhe und Dicke von vier Wolken auf mittleren Breitengraden messen.

Das Team erwartete von einem bestimmten Punkt aufsteigende Wolken. Nur eine der vier beobachteten Wolken befand sich auf der gleichen Länge wie die Wolken des Caltech Teams. Damit dürften die Wolken nicht auf ortsfeste Quelle zurückzuführen sein.

„Wir haben gesagt, dass es sich um Vulkane handeln könnte, aber es könnten auch andere Prozesse sein,“ sagte Caitlin Griffith vom Lunar and Planetary Laboratory der University of Arizona.

Die ersten jemals entdeckten Wolken auf dem Titan befinden sich über dem Südpol. Sie formen eine Kappe über dem Pol, die bis zu 40 Grad südlicher Breite reicht. Auf dieser Breite befinden sich auf die langen und dünnen Wolken.

„Wir glauben nicht, dass sich beide Wolkenarten zufällig in demselben Gebiet befinden,“sagte Griffith. „Man könnte beide durch einen Aufwind an dieser Stelle erklären.

Den Nebel lichten

Auf der Erde gibt es einen dieser Aufwinde am Äquator, weil die Sonne dort die Erdoberfläche aufheizt, die dann die Luftmassen der unteren Atmosphäre erwärmt und hoch steigen lässt.

Griffiths Team fand heraus, dass die Wolken auf dem Titan innerhalb weniger Stunden 40 Kilometer an Höhe gewinnen, was mit einem Auftrieb durch eine globale Zirkulation vereinbar wäre. Die gesammelte Information reicht jedoch noch nicht aus, um ganz sicher zu gehen.

Eine Möglichkeit, den Ursprung der Wolken zu ergründen , ist eine Verwendung des Cassini Radars während eines nahen Vorbeifluges. Das Radar kann durch den dichten Dunst blicken und erkennen, ob Vulkane oder andere Quellen existieren. Ein solcher Einsatz des Radargeräts ist bislang nicht geplant.

Eine andere Alternative ist Geduld. Wenn die Wolken auch nach dem Jahreszeitenwechsel, der auf dem Titan gegen Ende des Jahrzehnts stattfinden wird, an gleicher Stelle zu finden sind, dann wäre das ein Hinweis auf ein Oberflächenphänomen.

Autor: Ingo Froeschmann
Raumfahrt24.de

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